Plastiken aus Erde

Mit dem Kursformat Plastiken aus Erde wird ressourcenneutral und in niederschwelligem Zugang ein tiefgreifendes und selbst durch bloße Betrachtung fassbares Verständnis plastischer und handwerklicher Grundlagen geschaffen.
Nachhaltiges Handeln vermittelt sich dabei durch Material, entsprechende Kreisläufe, Arbeitsweise und menschlichen Umgang werkend und kunstschaffend.
In kurzer Zeit können entsprechend suffizient entscheidende Impulse zur Selbstwirksamkeit, Handlungsfähigkeit und Gestaltungskompetenz gesetzt werden.
Die Teilnehmenden erwerben dadurch neben den Grundbegriffen ökologischen und natürlichen Bauens (HWK, BNE und DVL) grundlegende Kenntnisse plastischer Gestaltung (dekart).
Auf diese Weise ist das Konzept für die unterschiedlichsten Ansprüche und Teilnehmergruppen adaptierbar und als Forschungsfeld geeignet Lernende und Lehrende zu Innovation und damit zukunftsfähigem Denken und Handeln zu ermächtigen.

Historie

Als innovatives Kursformat wurde das Konzept Plastiken aus Erde erstmals im Februar 2016 mit Studierenden der Design- und Kunstakademie Reutlingen (dekart) realisiert und seither auch im künstlerischen Grundlagenstudium als obligatorischer Kompaktkurs etabliert.

Daraufhin konnte das Konzept in den vergangenen Jahren bereits mehrfach
innerhalb exemplarischer Projekte für unterschiedlichste Anforderungen modifiziert werden. So wurde aus dem Kursformat bereits im Mai 2017 ein für den Förderbereich angepasstes Pilotprojekt durch das Schulamt Tübingen und die städtische Pestalozzischule altersübergreifend im Rahmen der Projekttage konzipiert und mit anschließender Ausstellung im Schulamt umgesetzt.
Noch im August desselben Jahres konnten Techniken der Plastiken aus Erde als beispielhaftes Projekt der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in Kooperation mit dem Wissenschaftsladen Tübingen e.V. experimentell zum Bau eines terraplastischen Insektenhotels erfolgreich eingesetzt werden und dienten damit der Qualifizierung von ErzieherInnen im Vorschulbereich.

Zudem konnte der Kurs 2018 erstmals prüfungsrelevant für eine Reutlinger Realschulabschlussklasse durch die Jugendkunstschule Reutlingen (juksrt)
realisiert werden.

Fachlicher Hintergrund

Die Inspiration und Begeisterung schöpfe ich aus meinem Verständnis der handwerklichen Grundlagen als Steinmetz- und Steinbildhauermeisterin und Maurer und Betonbauerin für Lehmbau (HWK und DVL) sowie meinem Wirken als Botschafterin für die Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und meiner eigenen künstlerischen Praxis und dem daraus erwachsenen Kunstverständnis (dekart).

Die Schnittmenge der verschiedenen Sachgebiete ermöglichte mir so einen
eigenen kreativen Zugang, indem ich für meine Arbeit interdisziplinär eigene und zeitgemäße Ansätze sowie Bildungsziele entwickeln konnte.

Diese sind entsprechend der aktuellen, sozialen und wirtschaftlichen Erfordernisse und anstehenden gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen als gutes Instrument zur künstlerischen Partizipation, Aktivierung und Weiterbildung geeignet. Meine Konzepte sind sowohl für Schüler, Studenten als auch für Fachkräfte im Bauwesen, Kreativarbeitende, ErzieherInnen und Lehrkräfte entwickelt und adaptierbar.

Da die Arbeit mit Naturstoffen immernoch als enormes Forschungsfeld betrachtet
werden kann und insbesondere die Arbeit mit Stroh, Lehm und Kalk wenig erforscht und belegt ist, ist die Kursarbeit in vielerlei Ausprägung auch innerhalb des direkten Schaffensprozesses immer wieder in motivierender Weise experimentell.
Somit vervielfältigen sich technische Möglichkeiten, Haltbarkeit und Raffinesse und der entsprechende Horizont erschließt und erweitert sich ständig im Zuge der Praxis.

Ablauf

In fest aufeinander aufbauenden technisch logischen und dabei didaktisch wertvollen Schritten werden einfachste Kulturtechniken wie Knoten und Messen, die Kenntnis von Spannung und Dichte sowie Formherstellung und praktisches Verständnis von physikalischen Gesetzmäßigkeiten, Logik und Verhältnis angeregt, gelehrt und geschaffen.

Daneben versetzt vor allem die Einfachheit und direkte Verfügbarkeit des Naturmaterials Menschen gleichermaßen ins Staunen und Schauen. In diesem Prozess ist bemerkenswert, in wieweit auch stereotype Gestaltkonzepte sich innerhalb des Schaffensprozesses materialbedingt in authentische Formen wandeln. Hierbei ist die Methode auch unter minimalsten örtlichen Gegebenheiten mit entsprechender Planung und Konzeption überall auch mit regional verfügbaren Materialien umsetzbar.

1. Planung / Entwurf

Freie Skizzen. Ausarbeitung und Bemaßung entsprechend der Umsetzungsmöglichkeiten. Planung der Konstruktion mit Angabe des erforderlichen Aufbaus in Schraffur.

2. Konstruktion (Formgebung 1)

Auf Grundlage der Skizzen und persönlichen Vorstellungen bzw. Zielvorgaben der einzelnen Teilnehmenden wird in gestalterischer und technischer Überlegung (entsprechend der Bemaßung) ein für den Entwurf tragfähiger Holzkern geplant, gesägt und auf meist vorbereiteten Grundplatten platziert und fest montiert.

3. Aufbau (Formgebung 2)

Ein leichter und dabei erstaunlich tragfähiger Kern wird aus Stroh anhand verschiedener Qualitäten von Bastschnur und (ggf. aus Alttextilien gewonnenen) Bändern stabil gefasst, was einerseits neue Materialerfahrungen ermöglicht, aber natürlich auch angesichts der Anforderungen des vorhandenen Gestaltkonzepts entsprechend schult und  ordert.

4. Komprimierung (Formgebung 3)

Mit dieser Grundlage wird anschließend das Strohlehmgemisch angetragen, womit die an das Holzgerüst gebundene Strohmasse armiert und fixiert wird.

5. Oberflächengestaltung (Formgebung 4)

Herstellung und Verwendung eines den jeweiligen Anforderungen angepasst
eingestellten lehmgebundenen Putzmörtels. Damit wird vom Groben ins Feine in ein- oder mehrmaligen Auftrag die Oberfläche durch additive und subtraktive Verfahren geschaffen.